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Institut für deutsche Sprache und Linguistik Lehrstuhl für Computerlinguistik | |
Jürgen Kunze
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4.2. Ableitung und BedeutungMan kann die verschiedenen Derivationen danach unterscheiden,
in welchem Maße sie eine semantische Regularität aufweisen. Das
net/pocket/can-Beispiel ist eines mit sehr hoher Regularität, da es
eine einheitliche Paraphrase gibt, die für alle betreffenden Lexeme gilt
(diese sind allerdings auch stark eingeschränkt). Andererseits gibt es
Derivationen, bei denen entweder keine einheitlichen oder gar keine Paraphrasen
existieren.
Beispiel:
Das ver-Durcheinander hat auch eine historische
Ursache: Hinter dem Präfix ver- verbergen sich drei
ursprüngliche Präfixe, die durch Lautentwicklung zusammengefallen
sind.
Weitere Beispiele mit unklaren Bedeutungsmodifikationen bei
Produktivität und Blockierung sowie
Regularität der Bedeutung.
Eine Derivation kann also mit unterschiedlichen
Bedeutungsmodifikationen verbunden sein. Umgekehrt gibt es auch verschiedene
Derivationen, die gleiche Modifikationen realisieren.
Beispiele:
Es ist daher adäquat, durch eine Kombination von
morphologischer und semantischer Charakterisierung gewisse
Ableitungstypen zu definieren, wobei die semantische Regularität
auch fehlen kann. Eine solche Vorgehensweise hat den Vorteil, daß man bei
Mehrfachableitungen zu einer systematischen Darstellung der kombinierten
Modifikationen gelangt (↑Wurzel, Basis und
Stamm).
Einen Ableitungstyp kann man durch drei Komponenten
beschreiben:
1. Angabe der morphologischen Veränderungen, wobei eine
Zusammenfassung vorgenommen werden kann.
2. Angabe der Bedingungen für die Anwendung des
Typs.
3. Angabe der semantischen Modifikationen mit
Veränderungen der Wortklasse usw.
Im Lexikon muß bei jedem Lexem angegeben werden (soweit
keine allgemeineren Regeln gelten), welche Typen mit welcher morphologischen
Realisierung gemäß 1. auf das Lexem anwendbar sind. Für bereits
abgeleitete Lexeme trifft grundsätzlich dasselbe zu, wobei dann aber in
stärkerem Maße Regeln anwendbar sind (eine Ableitung mit -bar
nach T2 selegiert z.B. immer -keit bei T4).
Mit dem folgenden Miniatur-Ableitungssystem lassen sich die
angegeben Beispiele analysieren und Paraphrasen gewinnen.
T1:
Weitere Beispiele: verdauen, vernehmen.
Dieser Typ ist nur dazu geeignet, eine Segmentierung
anzuzeigen. Er kann durch äquivalente Angaben im Lexikon eliminiert
werden.
T5:
Weitere Beispiele: verkleinern, erklären, erweitern,
befreien, weißen, klären.
T2:
Weitere Beispiele: s.o.
T3:
Weitere Beispiele: s.o.
T4:
Die Paraphrasen lassen sich kombinieren und ergeben z.B.
für die erste Ableitung etwa folgenden Ausdruck:
die Unverständlichkeit seines Handelns =
daß man sein Handeln nicht verstehen
kann/
daß es nicht möglich ist, sein Handeln zu
verstehen/...
Dabei müssen zusätzliche Schritte für den
syntaktischen Kontext durchlaufen werden:
ihre Schönheit = daß sie schön
ist
seine großen Fähigkeiten ?=
daß er sehr fähig ist
Insgesamt stellen diese Paraphrasen nur ein beschränktes
Hilfsmittel dar, für praktische Zwecke, etwa maschinelle Übersetzung,
ist ihr Wert umstritten.
Unterstreichung: eventuelle Segmentierung ignoriert.
[T4[T3Un[T2[T1ver[ständ]1]lich2]3]keit4]
[T3un[T2[T5ver[besser]5]lich2]3]
[T5be[feucht]5]
[T5er[möglich]5]
[T4[T3Un[T2[wäg]bar2]3]keit4]
[T4[T3In[T2[akzept]abil2]3]ität4]
[T4[Brutal]ität4]
[T4[T3Il[legal]3]ität4]
[T4[T3Un[schön]3]heit4]
[T4[T3In[kompet]3]enz4]
(Segmentierung so angenommen: Äquivalenz,
Relevanz,...)
[T4[Bereit]schaft4]
[T4[Fähig]keit4]
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